Uns bleiben ja noch die “Alten”
Erinnern wir uns mal an die Ausstellung im Glaspalast in München, die für Furore sorgte und den Namen Worpswede europaweit bekannt machte. Was waren das für Künstler, die unserem Ort seinen ganz eigenen Ruf und seine bis heute anhaltende Reputation schenkten? Die Künstlergruppe um Fritz Mackensen war schon erfolgreich oder kam aus begütertem Hause. Doch die Gründungsmitglieder der Künstlerkolonie zogen andere nach, nicht so erfolgreiche Künstler, nach damaligem Sprachgebrauch “Hungerleider”.

Kommen die Touristen wirklich nur noch wegen der Alten Worpsweder
oder ist ihnen lebendige Kunst auch wichtig?
Sie wurden nie von einer Jury ausgewählt, haben sich nirgends beworben und doch kamen sie, um hier zu malen und zu leben. Und das “Stipendium” bekamen sie von den Dörflern, die diesem eigenartigen Malervolk staunend, vielleicht auch misstrauisch, aber auf jeden Fall mit menschlicher Wärme und mancher nahrhafter Naturalie begegneten. Auch sie haben den Ort bereichert, haben neue künstlerische Ideen mitgebracht und sind aus der Geschichte Worpswedes nicht wegzudenken.
Seit 1971 kommen die “echten” Stipendiaten, ausgestattet mit einer ausreichenden Versorgung, aber unabhängig, kreativ und aus aller Welt. Sie kommen um bewusst auf den Spuren der Alten Worpsweder zu wandeln, um der Stadthektik zu entfliehen, um ländliche Ruhe für ein besonderes Projekt zu finden. 1000 Bewerber auf 21 Stipendien sprechen für sich.
Damit soll nun Schluss sein, wenn es nach dem Niedersächsischen Wissenschaftsminister Stratmann geht. Förderung bekommen nur noch Einrichtungen in Lüneburg, Worpswede wird der Geldhahn zugedreht. Für die Künstlerhäuser von Martin Kausche mag es weiter gehen, aber was ist mit der Barkenhoff-Stiftung, mit den einmaligen Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten in den Remisen?
Die Touristen kommen sowieso nur wegen der Alten Worpsweder, Kaffee und Kuchen und der Eisdiele, mag man vielleicht zynisch anmerken. Doch Kunst darf nicht still stehen, sie muss sich permanent entwickeln können und Impulse auch für gesellschaftliche Veränderungen geben. So wie die Alten Worpsweder die Sichtweise ihrer Generation verändert und damit Toleranz und Flexibilität im Denken eingefordert haben, bringt uns jeder neue Künstler, jeder Stipendiat weiter – auch wenn wir nicht immer verstehen, was er macht. Aber er fordert unsere Toleranz, er fordert unsere Flexibilität im Denken und unseren Mut zu Neuem. Herr Stratmann, die Alten Worpsweder haben wir sicher, wir brauchen weiterhin die “Neuen Worpsweder”, auch die, die nur auf Zeit hier sind.

Montag, 23. März 2009 22:11
Sehr guter Beitrag! Vielen Dank dafür.
Gruß
Armin
Dienstag, 24. März 2009 16:06
Danke für das Lob! PS an alle Leser: Inzwischen habe ich auch die fehlenden Buchstaben eingesetzt und damit die Rechtschreibung korrigiert.
Dienstag, 28. April 2009 17:54
Sehr schön getextet. Die Touristen brauchen wir allerdings schon auch noch, selbst wenn sie nur wegen der Alten Worpsweder oder gerade deshalb nach Worpswede kommen. Man braucht die Einnahmen, sonst geht es nicht.
Die Stipendiaten sind wichtig, damit diese als Kuriere von Worpswede berichten können, woimmer sie herstammen. Dies sichert nicht zuletzt das Bewußtsein bei jungen Menschen, ob Künstler oder nicht, zu Worpswede als lebendige Kulturstätte, die gepflegt und erhalten bleiben muß.
W. Kaufmann
Dienstag, 7. Juli 2009 12:18
Es ist schon verwunderlich, daß der 3. Juli 2009 allerorten unerwähnt bleibt, ist es doch für Worpswede ein denkwürdiges und maßgebliches Datum. Von vielen Galeristen vernehme ich Verwunderung über das Stillschweigen in Worpswede und Osterholz. Warum wird keine Werbung – zumindest online -gemacht, warum keine Ausstellung oder irgendein andere Aufhänger inszeniert, um am Ball des Tourismus zu bleiben. Bremen hatte im Radio einen Beitrag und der Werser-Kurier ebenfalls – zu finden unter http://www.museum-modersohn.com. Nun lässt man sich auch hier die Butter vom Brot nehmen. Die Verantwortlichen sollten sich in Bremen bedanken.
Gruß Micha