Vorherbstliche Hammenacht

Vorabberichte und Prospekte machten richtig Lust auf die „Hammenacht“, Torfkahnfahrten in unterschiedlichen Etappen, bei lauen, sommerlichen Temperaturen, im Schein bunter Lampions. Als „Neulinge“ wollen wir die Strecke Viehspecken – Teufelsmoorschleuse erleben, weil sich die Hamme dort durch schöne, weitgehend unverbaute Natur schlängelt und mit zwei Schleusen zusätzliche Erlebnisse bietet. Also, das Wetter spielt nicht so recht mit, das stört aber die insgesamt 14 Fahrgäste auf dem Kahn „Viehspecken“ nicht besonders. Skipper Fidi erzählt gern, beantwortet Fragen ausführlich und schippert sicher durch Kurven und Schleusen. Auf Mitte der Strecke kommt uns der „Spökenkieker“ entgegen, mit dem wir später am Abend die Rückfahrt antreten sollen. Unser Bordmusiker kommt leider nicht so voll zum Zuge, weil er sein gepflegtes Akkordeon nicht so gern dem Regen aussetzen möchte, da hilft auch kein Schirm.

Skipper Fidi

Skipper Fidi


Da half auch der Schirm nicht, die Musik fiel aus

Da half auch der Schirm nicht, die Musik fiel aus

An der Teufelsmoorschleuse erwartet die Reisenden am gleichnamigen Gasthof ein Grill mit wirklich leckerem Grillteller, dazu eine nette Bedienung auch im Gastraum und jede Menge freundliche Dauercamper. DJ Stefans Musik begeistert nicht jeden, wird aber als Hintergrund gern akzeptiert.

Gut vorbereitet, der Gasthof  "Zur Teufelsmoorschleuse"

Gut vorbereitet, der Gasthof „Zur Teufelsmoorschleuse“

Für die Rückfahrt versammeln wir uns gegen 21 Uhr wieder am Anleger und sehen den „Spökenkieker“ mit fröhlicher Gesellschaft ankommen. Deren Bierflaschen müssen wir nach dem Einsteigen erstmal in die Kiste räumen. Unser Torfkahn sieht leider etwas nüchtern aus. Anders als die „Anna-Lena“, die mit reichlicher Beleuchtung vor uns liegt, sind wir etwas unterbelichtet.

Hübsch geschmückt, Torfkahn "Anna-Lena"

Hübsch geschmückt, Torfkahn „Anna-Lena“

Positionslichter? Gehen nicht. Scheinwerfer? Taschenlampe. Lampions? Ein verschrumpelter Mond ohne Licht hängt an Steuerbord. Rettungsmittel? Verpackt in einem Karton. Uns ist das egal, wir segeln ja sonst auch, haben keine Angst vor dem Wasser. Was ist aber mit den anderen Gästen, alle offensichtlich deutlich über 60? Und einen Musiker gibt es auch nicht. Doch! Unser Skipper ist eigentlich der Musiker! Unser Geisterschiff setzt sich in Bewegung.

Geisterschiff "Spökenkieker"

Geisterschiff „Spökenkieker“


Die Teufelsmoorschleuse ist offen und wir rutschen durch. Das Restlicht spiegelt sich zunächst noch reichlich auf dem Wasser und wir genießen die Stille, die Weite der Landschaft, das leise Plätschern am Bug. Mit zunehmender Dunkelheit werden aber einige Mitreisende unruhig, denn das Ufer ist nur schwer auszumachen, manchmal hat man den Eindruck, genau auf einen Baum los zu fahren. Der Skipper – ein Ersatzmann, wie wir erfahren – wirkt nicht sehr sicher, weder im Umgang mit der Pinne noch in der Bedienung des Motors. Sehr deutlich zeigt sich das an der zweiten Schleuse kurz vor Viehspecken. Fast verpasst, nicht richtig zurückgesetzt, schräg mit etlichen Remplern in die Schleuse – „Vorne mal abstoßen!!!“ – Beim Schleusen hebt sich das Boot, klemmt mit dem Bugspriet beinahe unter einer Verstrebung des Schleusentores. Erleichtertes Aufatmen, als wir raus sind und bald die Lichter von Viehspecken auszumachen sind. „Springt mal jemand mit dem Seil an Land und macht fest?!“ Na sowas, mit soviel eigenem Einsatz hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.
Was lernen wir aus dieser Fahrt? Hier unsere Vorschläge: Es sollten Mindeststandards für die Beleuchtung der Schiffe gelten, auch für die „Schmuckbeleuchtung“. Wenn Musik angekündigt wurde, sollte sie auch an Bord sein. Schön wäre es, wenn an den Schleusen eine Person bereit stünde, damit der Skipper nicht jedes Mal anlegen, aussteigen, Schleuse zu und andere auf, einsteigen, ablegen, schleusen, anlegen, aussteigen, Schleuse schließen, einsteigen, ablegen muss.
Trotz der Kritik bleibt das Fazit, dass es Spaß gemacht hat und – mit den genannten Einschränkungen – zu empfehlen ist.

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Datum: Sonntag, 17. August 2014
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