Ein Sonntagnachmittag in Worpswede

Zugeparkt bis oben hin - ist bestimmt was Schönes drin

Unser Besuch war früh dran, das Wetter ungewöhnlich schön, also wollten wir endlich mal wieder einen sonntäglichen Bummel durch unser Künstlerdorf machen. „Wie ist denn eigentlich die Bergstraße geworden?“, wollten unsere Gäste wissen. Gute Frage, denn wir waren selbst ein paar Wochen nicht dort gewesen. Der Zugang vom Hemberg war etwas beschwerlich, aber man sah Fortschritte. Sicher würde bald die gesamte Bergstraße eine so schöne Flaniermeile abgeben wie der fertiggestellte Abschnitt. Gemeinsam mit einigen Fußgängertouristen schritten wir also zuversichtlich aus, auch gespannt auf das neue „Dorfzentrum“ am Philine-Vogeler-Haus. „Gibt es heute eine Autoschau bei euch?“, fragten unsere Besucher neugierig, weil besonders an Autos interessiert. Tatsächlich, dort, wo wir eigentlich den Dorfplatz vermuteten, standen Hunderte von Autos aller Marken, aller Klassen. Ein weißes Ding mit Spoiler fiel den Kindern natürlich gleich besonders auf. Ich musste zugeben, dass mir der Sinn dieser weitläufigen Autopräsentation auch nicht so recht klar war. Will man den Touristen das Wiederfinden ihrer Droschke erleichtern? Soll der Blick auf Buddha und Café Verrückt um moderne Alltagskunst erweitert werden? „Ja, aber das hat den Vorteil, dass der Rest der Bergstraße, die Flaniermeile, frei von Autos ist!“, gab ich zu bedenken.
Gleich nach dem Parkplatz wirklich die erste Kunst, die Wäscheleinengalerie der Familie Landt. Hat etwas Südländisches, Wäscheleine über den Wegen, statt tropfender Wäsche Radierungen, Zeichnungen, Siebdrucke, schön. Auch die Kunsthalle Netzel bot Kunst, derzeit sogar aus New York, von Josephine Meckseper. Wir kamen aber nicht recht an die Fenster der Kunsthalle heran, in denen schon Installationen zu sehen waren, denn uns kamen Autos entgegen, hinter uns brummte eines in Meterabstand. Es wurde eng und enger, denn der merkwürdigerweise optisch abgetrennte Seitenbereich war bis zur Kirche vollgeparkt. „Sieht ja auch aus wie ein Parkstreifen“, meinte unser Gast verständnisvoll. Unterwegs sahen wir einen entnervten Dieter Grohs, eigentlich Leiter der Verkehrswacht, in seiner Funktion als Ordnungskraft fleißg Knöllchen ausschreiben. Wir waren ebenfalls entnervt, hatten Angst vor dem ersten Autofahrer, der Gaspedal und Bremse verwechseln oder Amok fahren würde. Auf dem Weg nach Hause mussten wir noch zwei Überwege überqueren, an denen nur widerwillig gehalten wurde und wir durften in der 30-Zone der Findorffstraße Wetten darüber abschließen, ob die Autos mit 50 oder 70 Stundenkilometer durchrauschten.
„Also“, stellten unsere Besucher später fest.“Am nächsten Wochenende zeigen wir euch, wie ruhig die Bremer Innenstadt am Sonntag ist.“

Wann gibt es die erste Amokfahrt?

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Datum: Montag, 12. November 2012
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