Land.schafft.Fotografie

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „worpswede nonstop“ wurde am vergangenen Donnerstag eine sehr vielfältige Fotoausstellung in der Galerie Altes Rathaus eröffnet. Fotografie vom Abbild bis zur völligen Abstraktion, von der schönen Landschaft bis zur kritischen Auseinandersetzung mit der Nutzung der Landschaft lassen den Ausstellungsbesuch nicht langweilig werden. Im Eingangsbereich stoßen wir gleich auf die großformatigen, farbig entsättigten Fotos von Klaus Benhof. Mythos?Landschaft – allerdings mit einem auf dem Kopf stehenden Fragezeichen – benennt der kritische Künstler sein Fotos eines Maisfeldes. Das Bild symbolisiert in seiner Reihung von Maispflanzen die um sich greifende Monokultur, die nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch die biologische Grundlage für Vielfalt in der Landschaft zerstört. Sein „typisches“ Worpsweder Wolkenmotiv hat Benhof mit einem schwarzen Tuch verhüllt, erlaubt aber ausdrücklich, dahinter zu schauen. Beeindruckend auch die Fotos von Jürgen Kampa, der den Worpsweder Himmel in seiner beeindruckendsten Düsternis darstellt. In „Highway to hell“ bringen nur die Scheinwerfer eines Lkw Licht ins Dunkel.
Helmut Stelljes präsentiert neben „schönen“ Landschaften aus Worpswede und Cornwall auch einen außergewöhnlichen Kontrast, qualmende Schlote einer Industrieanlage in Rom, im Hintergrund das Kolosseum.
Ebenfalls nach Italien führen die Fotos von Jost Wischnewski, die im eigentlichen Sinne abfotografierte Collagen sind. Er hat Fotos, Tagebuchnotizen – interessante Auszüge des Florenzer Tagebuches von Rainer Maria Rilke – und andere Elemente zu Stilleben arrangiert und abfotografiert. Bei den Fotos handelt es sich um ausgelegtes Archivmaterial zu der Dokumentation seines Landsitzes in Italien nahe Florenz.
Weiter im Rundgang. Klaus Oberer zeigt eine Stufe der fotografischen Abstraktion, die immer noch das Motiv erahnen lässt, aber auch viel Spielraum für Assoziationen bietet. Sonnenuntergänge (oder -aufgänge?) über dem Wasser, Farbverläufe, das Spiel mit den wechselnden Lichtfarben beherrscht der Fotograf auf seinen relativ kleinformatigen und damit komprimierten Fotos.
Einen Raum weiter präsentiert Jürgen Strasser sehr großformatige Abstraktionen, „Photographicen“, Landschaften, die in ein feines Linienraster ähnlich einem gestörten Fernsehbild zerlegt sind. Wer es schaffte, die Linien wieder auseinander zu schneiden und nach Farbigkeit neu anzuordnen, würde wahrscheinlich eine „normale“ Landschaftsaufnahme erhalten.
Rüdiger Lubricht bleibt eher der klassischen Landschaftsfotografie treu, in Tradition eines Jörg Andermatt, dabei aber mit eigener Handschrift. Weite Landschaften mit zum Teil befremdlichen Einzelelementen darin zeigt er in Schwarzweißfotos.
Fritz Dresslers Werk ist undenkbar ohne seine reduzierten Architekturfotos. In der Ausstellung ist er mit drei ausgewogenen Kompositionen aus Lanzarote zu sehen.
Gabi-Ann Müller war in Nepal unterwegs und Ihr Interesse galt mehr den Menschen und der Kultur, die sie in ausdrucksstarken Fotos festgehalten hat. Zu den Landschaftfotografen, die nur leichte Verfremdungen vornehmen, gehört Hans-Jürgen Fuchs mit seinen panoramaartigen Fotos unserer Landschaft.
Im kleinen Nebenraum hat Paul Mahrt seine Serie gehängt, die sehr aktuell entstanden ist und zeigt, was ein Könner aus einer geringen Zahl an Motiven gestalten kann. Er hat sich offensichtlich beim Aufbau der NDR-Landpartie umgesehen, die Pavillons fotografiert, abstrahiert, ein Zeltdach mit einer Wolke zum „Rauchen“ gebracht. Ein Augenzwinkern des Künstlers ist bestimmt dabei.
Viel Spaß beim Betrachten der Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten!

Klaus Benhof

Klaus Benhof


Jürgen Kampa

Jürgen Kampa


Helmut Stelljes

Helmut Stelljes


Jürgen Strasser

Jürgen Strasser

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Datum: Samstag, 7. Juni 2014
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