Stadtlandschaften von Iris Band

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Mit einer anspruchsvollen Ausstellung im Blauen Haus sorgt der Kunstverein Worpswede wieder einmal dafür, dass im Künstlerdorf zeitgenössische Kunst ihren Platz findet. Teilweise großformatige Gemälde der Künstlerin wurden nach der Begrüßung durch Ortsbürgermeister Willi Seidel in der anschließenden Laudatio von Gerd Fiedler analysiert und den Vernissage-Gästen nahe gebracht. Für eine stimmige und stimmhafte Untermalung sorgten Lynette Funk mit ihrer samtigen Bluesstimme und Michael Insinger an der Gitarre.

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Iris Bands Stadtansichten aus der Vogelperspektive zeigen etliche italienische Ortschaften mit ihren farbintensiven Dächern auf weißen oder pastellfarbenen Fassaden. Initialzündung für diese Themenwelt war eine Postkarte aus Arezzo, die Iris Band wegen ihrer besonderen Sicht auf die Stadt faszinierte. Seither entdeckt sie immer mehr Städte aus der Luft, sei es per Flug im Sportflugzeug oder durch Luftaufnahmen. Die künstlerische Nähe zum Bauhaus, Kubismus und Konstruktivismus wird in allen Bildern deutlich, ohne dass sie ihre Originalität und Einzigartigkeit einbüßen.

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Am Beispiel des Bildes mit dem Titel „Shanghai“ beschrieb der Kunstwissenschaftler Fiedler die besondere Arbeitsweise von Iris Band, deren Werke durch eingearbeitete Collage-Elemente und den Farbauftrag eine besondere Plastizität erhalten. Die auf den Malgrund geklebten Fundstücke – Pappformen, Leinwandabschnitte, ja sogar Plastikfiguren – stehen dabei in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit dem gemalten Motiv, sondern folgen einer ganz eigenen Gestaltungsabsicht. Aus dem üblichen Abstand nimmt der Betrachter eine detaillierte, akribisch konstruierte und abstrahierte Stadtansicht – meistens aus geringer „Flughöhe“ – wahr. In der Nahsicht offenbaren sich völlig neue Bilder, gegenstandslose Figurationen aus Formen und Farben. Gerd Fiedler verglich den Bildaufbau mit der Arbeit eines Architekten. Die Städte seien so konstruiert, dass man sie nachbauen könne und die Statik Stand halte.

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Auf jeden Fall gibt es in allen Bildern von Iris Band, auch in den Blumenarrangements, unglaublich viel zu entdecken, aus der Ferne und aus der Nähe. Allerdings sollten die Besucher/innen den Bildern nicht so nahe kommen, wie es Gerd Fiedler spaßeshalber riet. Die Plastizität und Haptik der Gemälde reize zum Berühren, zum Darüberfahren, zum Begreifen – allerdings erst nach dem Kauf eines Werkes, ergänzte er zur Beruhigung der Künstlerin.
Die Ausstellung im „Blauen Haus“, Findorffstr.9, ist bis zum 14.7.2013 jeweils Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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Datum: Mittwoch, 15. Mai 2013
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