Verwandlung als künstlerisches Prinzip

Blick in die Galerieräume

Blick in die Galerieräume

„Metamorphose“ lautet das Thema der diesjährigen Tage des Kunsthandwerks Worpswede, die am Samstag mit der Eröffnung der Ausstellung in der Galerie Altes Rathaus begannen und am 21./22. Mai mit einem exklusiven Markt auf dem Außengelände des Gebäudes in der Bergstraße enden werden. Die Organisatorinnen haben es geschafft, die Werke von 50 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern aus ganz Deutschland, von Keitum bis Konstanz, in überzeugender Art und Weise zu präsentieren und in Beziehung zueinander zu setzen. Bei etwa 150 Arbeiten aus den Werkstätten künstlerischer Handwerker, von Knopfgröße bis zum Raumteiler oder Verwandlungstisch, kein leichtes Unterfangen. Nicht leicht war es auch für die Teilnehmer, das Thema mit dem ihnen eigenen Material umzusetzen. In ihrer Laudatio betonte Susanne Weichberger, Vorsitzende der Künstlerhäuser Worpswede, dass im Wortsinn jede künstlerische Handarbeit eine Art Metamorphose sei. Aus einem Rohmaterial wie Holz, Ton, Wolle und Baumwolle, Metall oder Edelmetall entstünden völlig neue Schöpfungen, eine Symbiose aus Material, Idee, und gestalterischem Handwerk.
Natürlich stechen die großen Objekte der holzbearbeitenden Künstler zunächst ins Auge. Der Bremer Peter Heidhoff demonstriert gern die Funktion seines Regals, das von einem großen Rahmen umgeben ist. Der lässt sich einfach abnehmen und auf einen Tisch auflegen, der dadurch vom Vierer zum Achter wird, genial durchdacht und handwerklich präzise ausgeführt. Aus Stuhr ist Arne Leucht angereist und zeigt filigrane Lichtbalken aus Furnierholz. Schon bei den letzten Tagen des Kunsthandwerks vor zwei Jahren ist er mit eigenwilligen Formen der Präsentation aufgefallen. Dieses Mal platziert er einen Teil seiner Lichtobjekte in einen Spiegelkasten, der beeindruckende Einblicke erlaubt, unbedingt sehenswert. Martin Wilmes gelingt es, einen Geschirrschrank als Raumteiler zu gestalten, der wegen seiner auswechselbaren Schiebetüren in verschiedenen Farben von beiden Seiten aus zugänglich ist, auch freie Durchblicke ermöglicht.
Sehr deutlich wird das Prinzip der Verwandlung oder Umwandlung auch in den textilen Arbeiten von Lucia Schwalenberg, die in einzelnen Ausstellungsstücken mehrere Arbeitsprozesse vereint. Jürgen-Ferdinand Schulze, einer der Preisträger von 2014, verbindet wieder Holz mit Glas zu Objekten, wie „Das große Wasser“. Oder er lässt knorriges Holz vermeintlich durch einen beidseitigen Spiegel hindurch wachsen. Ebenfalls mit Glas, nur sehr viel filigraner, arbeitet Bernd Lichtenstein aus Bremen. In seinen Objekten „Pokal“ und „Dorf in der Kugel“ verwandelt sich mehrschichtig kombiniertes Glas vom Quadrat zum Kreis, vom Würfel zur Kugel. Goldschmied Rainer Staudenmaier aus Worpswede stellt neben seinen Schmuck eine Verwandlung vom Apfel zum Bonbon, ein feiner, kleiner Bezug zum Thema. Dass es auch einem Wasserschaden Gutes abzugewinnen gibt, zeigt Antje Drehmann mit ihrer unendlichen Kette aus Kupferrohr. Aus dem an einer kupfernen Kette hängenden Stückchen Wasserrohr sprudelt eine Kaskade aus Nylonfäden, an deren Enden Aquamarine wie Wassertropfen funkeln. Die Worpswederin Regina Blome- Weichert arbeitet als Goldschmiedin seit vielen Jahren mit Bernstein, dem „Gold des Nordens“. In ihren Werken wie „Fundstück“, „Verwandlung“, „Im Meer“ und „Angeschwemmt“ lässt sie den Bernstein in Anlehnung an seine Entstehung aus Schwemmholz herauswachsen.
Da es unmöglich ist, auf alle Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker einzugehen, bleibt nur der Hinweis, dass der Besuch der Ausstellung unbedingt lohnt. Dann haben Besucher auch die Gelegenheit, ihrem Lieblingsstück, ihrem Lieblingskünstler ihre Stimme für den Publikumspreis zu geben. Bereits in den ersten Tagen der Ausstellung hat eine fachkundige Jury einen zweiten Preisträger ermittelt.
Beim abschließenden Markt am 21. und 22. Mai mit nahezu 60 Ausstellern, die ihre aktuellen Kollektionen jeweils von 11:00 bis 18:00 auf dem Gelände rund um das Alte Rathaus in der Bergstraße präsentieren, werden beide Preisträger bekannt gegeben.
Die Ausstellung in der Galerie Altes Rathaus in der Bergstraße 1, Worpswede, ist dienstags bis freitags von 14:00 bis 18:00 und samstags und sonntags von 11:00 bis 17:00 bei freiem Eintritt geöffnet.

Lichtobjekte aus hauchdünnem Furnierholz von Arne Leucht

Lichtobjekte aus hauchdünnem Furnierholz von Arne Leucht

Eindrucksvoll präsentiert: Das Kleid von Sabine Wagner

Eindrucksvoll präsentiert: Das Kleid von Sabine Wagner

Verwandlungstisch von Peter Heidhoff

Verwandlungstisch von Peter Heidhoff

Bernsteinschmuck von Regina Blome-Weichert

Bernsteinschmuck von Regina Blome-Weichert

Tags »

Autor:
Datum: Montag, 11. April 2016
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemein, Ausstellungen, Kunst und Kultur, Worpswede

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben