Premiere des NWWK mit Spinnen im Moor


Also zunächst einmal: NWWK ist der Neue Worpsweder Kunstverein. Gegründet wurde er von einigen Ehemaligen des Worpsweder Kunstvereins, der sein Domizil bekanntermaßen im Blauen Haus hat. Nach etlichen Differenzen innerhalb des dortigen Vorstands hat Ursula Barwitzki den von ihr mitgegründeten Verein verlassen und gemeinsam mit Hans-Joachim Manske und Martin Vosswinkel eine eigenen Kunstverein ins Leben gerufen. Der NWWK hat sich die Präsentation und Förderung zeitgenössischer Kunst zum Ziel gesetzt und möchte dabei auch über den Worpsweder Tellerrand blicken.
Bereits mit der ersten Performance und Ausstellung von Lili Fischer ist der Anspruch der neuen Vereinigung deutlich geworden. Die genutzten Galerieräume im Hotel Village sind bestens geeignet für die Präsentation dieser agilen Künstlerin, die ihren ersten Kontakt zum Teufelsmoor als Stipendiatin im Jahre 1982 geknüpft hat. Lili Fischers Performance und Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle vor drei Jahren hat weithin Beachtung gefunden. Damals war ihr Thema „Schnaken“, das sie auf vielfältige Art und Weise bearbeitet hat.
Ihr derzeitiges Interesse gilt den Spinnen, genauer den Zitterspinnen. Großformatige Spinnenobjekte hängen an elastischen Fäden zitternd im Treppenhaus und stimmen auf die Ausstellung ein. In ihrer Begrüßungsperformance brachte die Künstlerin die filigranen Tiere mit Hilfe von leichten Bändern zu bayerischer Zittermusik zum Tanzen. Die Bewegungen der Spinnen wirkten elegant, verbreiteten aber gerade in Verbindung mit der für uns Norddeutsche durchaus ungewöhnlichen Musik auch einige Heiterkeit. Nach ihrer Ansprache hatte sich Lili Fischer zunächst mit vier anderen Damen auf Torfbetten im Untergeschoss gelegt, die schaukelnden Spinnen über sich, während an die Wand Teufelsmoorszenen projeziert und Naturgeräusche vom Band abgespielt wurden. Ein meditativer Moment im Vernissage-Trubel.
Schwarzweiße Fotos des Moores aus den Jahren 1982 und 1983, in denen die Künstlerin erste Stipendiatin im Barkenhoff war, geben das passende Umfeld für die filigranen Spinnenzeichnungen. Während die Fotos mehr dokumentarischen als künstlerischen Charakter haben, wecken die Spinnenzeichnungen erheblich mehr Interesse. Mit feinen, spontan und dynamisch wirkenden Strichen entstehen Spinnenkörper, die zum Teil zu menschlichen Wesen, zu Tänzerinnen mutieren. Spinnenleiber und Spinnenbeine in teilweise ruhigen Haltungen, aber auch in nahezu ekstatischen Bewegungsabläufen erschließen dem Betrachter die Schönheit dieser Tiere, die uns in Realität leider immer wieder gruseln lassen.
Es lohnt sich, diese Ausstellung zu besuchen, die noch bis zum 11.12.2011 in der Galerie Village in der Bergstraße 22 zu sehen ist.

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Datum: Mittwoch, 12. Oktober 2011
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