„…und Gott erschuf zwei Weiber…“

…ist die nächste Ausstellung in der Galerie Altes Rathaus betitelt. Untertitel: Von Göttinnen, Hausfrauen und Huren
Die Malerei von Barbara Heine-Vollberg und Frank-Martin Stahlberg und die Keramiken von Ingrid Holm beschäftigen sich mit dem Widerspruch zwischen Eva und Lilith, den beiden sehr unterschiedlichen Prototypen der Weiblichkeit.

Mit dem Namen Eva verbindet man im biblischen Allgemeinen die Urmutter der Menschheit, die Frau an und aus Adams Seite. Doch Eva war bereits der zweite Versuch Gottes, Adam eine Gefährtin zu erschaffen. Dem ersten Versuch entsprang Lilith. Der war allerdings eigentlich schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt, denn Lilith wurde von Gott aus demselben Staub geformt wie Adam, und sie entwickelte eine daraus resultierende Eigenständig- und Ebenbürtigkeit, die nicht im Sinne des Erfinders war und schon gar nicht in Adams Interesse lag. Lilith war unabhängig, selbstbestimmt und verführerisch, wollte nicht „unten liegen“. Und so kam es, dass sowohl Gott als auch Adam sie als Bedrohung ihrer eigenen Dominanz empfanden, und Lilith schließlich Adam und das Paradies verließ. Sie zog fortan als geflügelte Nachtdämonin und, mit Verführungskünsten dem Manne Verderben bringende, Teufelin durch die Welt. Aber Adam wollte nicht allein sein und so erschuf Gott ihm eine neue Gefährtin – Eva. Sie wurde aus Adams Rippe geformt, war also im Grunde kein eigenständiges Wesen, sondern ein Teil seiner selbst. Gedanken an Selbstverwirklichung und Ebenbürtigkeit waren ihr fremd, und sie entsprach der Vorstellung Gottes und Adams, war gehorsam, weich und unterwürfig.

Lilith und Eva- in diesen beiden so gegensätzlichen Prototypen der Frau manifestiert sich im Grunde ursächlich der immerwährende Geschlechterkampf. Während der Eva-Typus durch die Jahrtausende von der Kirche und bis heute von vielen Männern favorisiert wird, sieht die moderne, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit anstrebende Frauenbewegung in Lilith ein Symbol für ihr Anliegen und die Begründerin weiblicher Emanzipation.

Wohlweislich ist die Existenz der Lilith von der Kirche stets verschwiegen worden. Es war die oberste Pflicht einer Frau, dem Manne untertan zu sein und dem Vorbild der Eva zu entsprechen. Verweigerten sich Frauen diesen männlichen Vorgaben, erwartete sie ein schweres Leben. Im Mittelalter erreichte diese Tyrannei durch Kirche/Mann einen dramatischen Höhepunkt in der Hexenverfolgung. Sobald eine Frau in irgendeiner Weise nicht den Vorstellungen entsprach, also zu „lilith“ wurde, sahen die (Kirchen-) Männer in ihr eine Bedrohung ihrer eigenen Vormachtstellung und sie musste um ihr Leben fürchten, oft genug verlor sie es. Und auch in der heutigen, vermeintlich aufgeklärten und toleranten Gegenwart finden sich noch beide Archetypen. Nach wie vor wünschen sich viele Männer, zumindest zuhause, eine unterwürfige, nicht widersprechende Eva – die Heilige, Engelsgleiche – außerhalb der eigenen vier Wände bevorzugen sie allerdings gerne eine verführerische, freizügige Lilith – das Teufelsweib, die Hure – der sie jedoch meist wenig Achtung entgegenbringen.

Frauen streben dagegen immer intensiver die Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit einer Lilith an, wollen Verantwortung und Führung übernehmen. Und nach wie vor droht ihnen in etlichen Teilen der Erde der Auszug aus dem Paradies oder gar der Tod für ihren Freiheitswunsch.

Es hat sich noch nicht wirklich viel verändert seit Adam und Eva….und Lilith.

In der Ausstellung „…und Gott erschuf zwei Weiber…“ zeigen Barbara Heine-Vollberg, Ingrid Holm und Frank-Martin Stahlberg in ihren Arbeiten Facetten des Weiblichen zwischen „Teufelsweib“ und „Engelsgleicher“, zwischen Heiliger und Hure im Wandel der Zeiten.

Zur Ausstellungseröffnung am Samstag, 25. Oktober um 17.00 Uhr wird hiermit eingeladen.

Es begrüßt Sie der Bürgermeister der Gemeinde Worpswede, Stefan Schwenke. In das Werk führt Sie der Kunsthistoriker Dr. Detlef Stein aus Bremen ein.

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Datum: Donnerstag, 16. Oktober 2014
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