Von Watschenpatschern und Esmeralden…,

…von Lochhapsern, Narflektaten und vieräugigen Ohrenduddeler Tanztieren, die derzeit in der Galerie Altes Rathaus in Worpswede zu sehen sind, möchten wir euch gern berichten. Zum Glück sind sie alle so klein, dass sie in Terrarien von der Größe eines Taschenbuches passen, denn die Beschreibungen dieser Wesen sind zum Teil furchterregend, zum Teil erfordern die Tierchen jedoch unser ungeteiltes Mitleid. Gefunden und benamt wurden diese merkwürdigen Kreaturen von Edmund Alfred Brehm, alias Kai Splittgerber. Bildlich katalogisiert hat sie die Grafikerin Dorothea (Doro) Huber. Die abenteuerliche Arbeit dieser beiden Künstler mündete nicht nur in der Ausstellung, sondern wurde ebenso in einem Buch festgehalten, in „Brehms Tierland“.

Brehm begibt sich mit dem kauzigen und tyrannischen Kapitän Pamphile auf die Suche nach Tierland und tatsächlich – er entdeckt diese bislang unbekannte Insel und erlebt dort die spannendsten Abenteuer mit den seltsamsten Tieren und er macht innige Bekanntschaft mit der Tierlandfrau. Die Beschreibungen aus Kai Splittgerbers Feder sind absolut lesenswert. Sie zeigen einerseits beinahe kindliche Phantasie (dieses Wort sieht nur in der alten Rechtschreibung passend aus!), Witz und Freude am Fabulieren, aber ebenso ein sehr intelligentes und erfahrenes Spiel mit unserer Sprache. Zitat: „Das vieräugige Ohrenduddler Tanztier macht mit seinen Ohren Musik. Es klingt, als würde man mit einer Katze auf eine Trommel schlagen. Außerdem tanzt das vieräugige Ohrenduddler Tanztier pausenlos und wippt dabei mit dem Kopf auf und ab…..Man kann mit dem vieräugigen Ohrenduddler Tanztier hervorragend tanzen, ich habe es selbst ausprobiert.“ Sehr viel trauriger stimmt uns das Leid der Bospera. Zitat:“Die Bospera lebt in wunderschönen tiefblauen Gewässern. Doch mit dem Wasser hat es etwas Merkwürdiges auf sich: Die Tiere werden von seinem Anblick so traurig, dass sie beginnen, sich selbst zu essen und dabei ihren flüssig gewordenen Körper auszuweinen…..Auch ich wurde beim Anblick dieser Gewässer so tieftraurig, dass ich mich selbst verspeisen wollte. Zum Glück aber war der Biss in meinen Zeh viel zu schmerzhaft…“
Zu diesen beiden Wesen und vielen anderen hat die junge Grafikerin Doro Huber wunderschöne, phantasievolle Zeichnungen, Collagen und Objekte geschaffen, die den Beschreibungen des Autors entsprechen, aber immer noch viel Raum für eigene Vorstellungen lassen. Beim Betrachten der kleinformatigen Objektkästen kann man lange in den skurilen Gestalten versinken, besonders wenn man sich die Zeit genommen hat, die einfühlsamen Texte darunter aufmerksam zu lesen.
Der Autor Kai Splittgerber studierte Kulturwissenschaften und kreatives Schreiben an der Uni Hildesheim. Er schreibt sowohl journalistisch als auch literarisch und hat für die Idee zu „Brehms Tierland“ das Niedersächsische Arbeitsstipendium 2010 erhalten.
Dorothea Huber hat an der HAWK Hildesheim Grafikdesign studiert. Sie illustriert für Magazine wie „Das Magazin“, „Brigitte“ und andere. Das 2008 erschienenes Buch „Kapitän Pamphile“ von Alexandre Dumas wurde von ihr illustriert und landete auf der Shortlist der schönsten Bücher. Und die ihr verliehene Auszeichnung vom Art Directors Club muss sich eine Gestalterin schon schwer verdienen.

Also, Hochachtung vor diesen beiden äußerst sympathischen Künstlern, die es sich nicht nehmen ließen, das von uns erworbene Buch mit einer sehr persönlichen Widmung zu versehen! Danke noch einmal dafür.
Die Ausstellung ist noch bis zum 3.7.2011 zu besichtigen und es lohnt sich! Das Buch gibt es im Buchhandel (Edition Büchergilde) oder verbilligt für Mitglieder direkt bei der Büchergilde.

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Datum: Dienstag, 14. Juni 2011
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