Worpswede im Indischen Ozean versenkt

Natürlich sehen selbst die schlimmsten Berechnungen zum Klimawandel unser Künstlerdorf nicht im Indischen Ozean versinken. Aber seit Ende Juli gibt es eine direkte Verbindung zwischen Worpswede und der maledivischen Einheimischen-Insel Velidhoo im Noonu-Atoll. Die Worpsweder Regina und Dietmar Blome versenkten dort mit Hilfe ihrer Tochter Mascha, die vor drei Jahren eine Hilfsorganisation für die Malediven gegründet hat, drei Korallenrahmen zum Erhalt des Inselriffs. Einer davon trägt den Namen „Worpswede“.
Anfang Juli wollte das Ehepaar Blome auch endlich die Malediven kennen lernen, von deren Inselwelt, deren Natur und deren Menschen ihnen ihre Tochter Mascha seit Jahren vorschwärmt. Da sie sich seit November letzten Jahres wieder dort aufhält, um verschiedene Umweltprojekte zu betreuen und mit Einheimischen in Gang zu bringen, war die Vorfreude auf das Wiedersehen groß. Kurz vor ihrer Abreise luden die Eheleute noch einige Freunde zu einer kleinen Feier ein und baten ausdrücklich darum, auf Mitbringsel und Blumen zu verzichten. Stattdessen sollten die Gäste eine kleine Spende für arkipal e.V. (www.arkipal.org) in die aufgestellte Schatztruhe legen. Es kam ein ansehnlicher Betrag zusammen, für den drei Korallenrahmen in Auftrag gegeben werden konnten.
Mit der Spende im Gepäck ging es über Dubai nach Male, der Hauptstadt der Malediven. Male hat etwa eine Ausdehnung wie Worpswede-Ort, aber statt 4.500 leben dort etwa 130.000 Menschen. Nur wenige Touristen trauen sich in dieses Gewimmel von Autos und Unmengen von Motorrädern. Die meisten Urlauber fliegen vom Flughafen aus mit dem Wasserflugzeug direkt auf ihre Hotelinsel und bekommen Einheimische nur als Servicepersonal zu sehen. Anders Regina und Dietmar Blome, die noch vier Stunden mit Schnellbooten über den Ozean mehr hüpften als fuhren, an Bord mit zum Teil sehr verängstigten Malediverinnen, deren Mundbewegungen ein stilles Gebet verrieten.
Velidhoo ist mit 2.200 Einwohnern schon eine recht große von den etwa 200 bewohnten maledivischen Inseln. Hier betreibt arkipal e.V. gemeinsam mit der Velidhoo Future Foundation ein Volunteer-Haus. Im Juli waren drei junge Studentinnen aus England dort, um an Projekten wie Riffschutz, Müllvermeidung und –entsorgung und Unterricht in der Vorschule mitzuwirken. Zu ihren Aufgaben gehörte zum Beispiel auch das Bestücken und Versenken von Korallenrahmen rund um die Insel.
Einige Inselriffs leiden noch heute unter den Folgen des Tsunami, der viele Korallenbänke beschädigt hat. Aber natürlich hinterlässt auch der Mensch seine Spuren. So haben die Malediven große Probleme mit dem anfallenden Müll, zu dem in erheblichem Maße die Touristen auf den „Paradiesinseln“ beitragen. Ein Resort mit 400 Gästen produziert mehr Müll und verbraucht weit mehr Ressourcen als etwa Velidhoo. Allein 60.000 Deutsche fliegen jährlich in das Inselreich, um dort ihren Traumurlaub zu erleben. Auf den Hotelinseln werden künstliche Sandbänke angelegt, Wasserbungalows bis ans Riff gebaut und die Urlauber zerstören beim Schnorcheln Korallen. Diese Veränderungen haben Auswirkungen auf die Wasserströmungen und damit auch auf die von Maledivern bewohnten Inseln. Mascha Blome, die gerade eine Ausbildung als „Reef Check Eco Diver“, (frei übersetzt Riffbeobachtungstaucher) absolviert hat, erklärt dazu: „Wenn sich durch verlagerte Strömungen die Zusammensetzung und die Temperatur des Wassers verändern, bekommen die Korallen Probleme. Es sind ja keine Pflanzen, sondern Tiere, was viele nicht wissen. Wenn erst Lücken im Riff entstehen, fehlt der Zusammenhalt und den Fischen fehlt der Lebensraum!“
Eine dieser Lücken im Riff von Velidhoo wurde nun durch drei Korallenrahmen geschlossen. Zunächst mussten an der Riffkante, an der es von zwei bis drei Metern Wassertiefe auf etwa 30 Meter abfällt, kleine Teile von gesunden Korallen abgeschlagen werden. Eine anstrengende Arbeit, bei der Mascha immer wieder auf drei, vier Meter abtauchen musste. Die Korallenstücke brachte sie an Land, wo sie zügig mit Kabelbindern an den Rahmen befestigt wurden. Gemeinsam mit ihrem Partner Alex, einem britischen Dokumentarfilmer, schnorchelte sie dann wieder bis an die Riffkante und stellte die Rahmen an günstigen Plätzen auf. „In einigen Wochen können wir sehen, ob sich die Korallen mit den sandbeschichteten Rahmen verbunden haben und wieder wachsen. Und in ein paar Jahren gehören sie dann vollständig zum Riff, sind von Fischen bewohnt.“
Den Sinn dieser Aktion bestätigen Meeresbiologen. Die Malediven hätten eine gute Chance auch mit steigendem Meeresspiegel zu überleben, denn Korallen wachsen mit der Wasserhöhe. Wie wichtig intakte Riffe für die kleinen Paradiesinseln sind, konnten Regina und Dietmar Blome bei ihren Ausflügen auf Badeinseln erleben. Die Brandung bricht sich am Riff und der Strand wird dadurch nicht abgetragen. Und natürlich haben die beiden das Schnorcheln und Schwimmen im ruhigen Wasser innerhalb des Riffs genossen.
„Vielleicht trägt unser Worpswede-Korallenrahmen ein bisschen zum Erhalt der Malediven bei. Die wunderschöne Natur, die Unterwasserwelt und nicht zuletzt die liebenswerten Menschen haben es verdient“, hoffen die beiden Worpsweder. „Vielleicht regt unser Beispiel andere Menschen an, sich einmal die Arbeit von arkipal anzusehen und mit einer kleinen Spende zu helfen.“

Regina und Dietmar Blome beim Bestücken des Korallenrahmens "Worpswede"

Regina und Dietmar Blome beim Bestücken des Korallenrahmens „Worpswede“

Der fertige bestückte Korallenrahmen wird zum Drop-off, der Riffkante, gebracht und dort versenkt.

Der fertige bestückte Korallenrahmen wird zum Drop-off, der Riffkante, gebracht und dort versenkt.

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Datum: Dienstag, 20. August 2013
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